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Einarbeitung: zwei Wochen oder zwei Tage?

Wenn jemand neu im Vertriebsteam anfängt, messen wir meist, wie schnell das Produkt sitzt. Das ist die falsche Kennzahl — das Produkt lässt sich in drei Tagen lernen.

Wofür die zwei Wochen tatsächlich draufgehen

Die neue Person übernimmt ein Portfolio: sagen wir achtzehn aktive Deals. Im CRM stehen je Firmenname, Betrag, Stufe und Datum des letzten Kontakts.

Das genügt, um zu wissen, dass der Deal existiert. Es genügt nicht, um anzurufen. Dafür braucht es das Wissen, wer auf Kundenseite wirklich entscheidet, was bereits zugesagt wurde, welche Einwände fielen und warum der Termin — zweimal — verschoben wurde.

Einarbeitungszeit ist keine Produktlernzeit. Sie ist die Zeit für das Rekonstruieren von Kontext, der existierte, aber nie erfasst wurde.

Drei übliche Behelfslösungen

  • Mündliche Übergabe. Eine Stunde, in der die Vorgängerin das Portfolio durchgeht. Für die drei größten Deals funktioniert das, der Rest verschwimmt. Ist die Person bereits weg, funktioniert es gar nicht.
  • Dokumentation auf Zuruf. Die Bitte, vor dem Weggang alle Deals zu beschreiben. Was entsteht, schreibt jemand in der Kündigungsfrist, gedanklich längst woanders.
  • Beim Kunden nachfragen. Die neue Person ruft an und bittet um eine Zusammenfassung. Kunden tun das, verlieren dabei aber jedes Mal etwas Geduld — und Vertrauen in einen Anbieter, der eigene Zusagen nicht erinnert.

Jede dieser Lösungen umgeht denselben Mangel: Der Gesprächskontext wurde nie in dem Moment festgehalten, in dem er entstand.

Was sich ändert, wenn Gespräche Spuren hinterlassen

Liegen an jedem Deal die Zusammenfassungen aller bisherigen Gespräche, verändert sich die Übergabe grundlegend. Statt einer Flurerzählung erhält die neue Person Lesematerial — geordnet, datiert und mit dem, was tatsächlich gesagt wurde.

Der erste Kundenanruf kann dann am Mittwoch der ersten Woche stattfinden statt nach zwei Wochen Informationssammlung. Wichtiger noch: Er klingt nach jemandem, der den Vorgang kennt, und nicht nach jemandem, der zum ersten Mal davon hört.

Der Kunde bemerkt nichts — und genau darum geht es. Ein unbemerkter Betreuerwechsel ist der einzig gute Betreuerwechsel.

Nebeneffekt: Coaching hört auf, Raten zu sein

Derselbe Mechanismus verändert die Arbeit der Führungskraft mit dem Team. Klassisches Coaching heißt, einige Aufzeichnungen mehr oder weniger zufällig auszuwählen und monatlich zu besprechen — niemand hört sechshundert Gespräche pro Woche.

Trägt jedes Gespräch eine Zusammenfassung und eine Signalbewertung, sieht die Führungskraft, wo etwas systematisch schiefläuft. Das Gespräch dreht sich nicht mehr darum, ob nach dem Budget gefragt wurde, sondern darum, wie man wirksamer fragt.

Zum Mitnehmen

Verkürzen Sie die Einarbeitung nicht mit mehr Produktschulung. Verkürzen Sie sie, indem sich Gesprächskontext von selbst erfasst — dann wird in Woche eins telefoniert statt in Woche drei.

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